Nur der nicht abgetragene Stumpf des gesprengten Bergfriedes und der Brunnenschacht blieben erhalten. 1793 erwarb Herzog Georg I. von Sachsen-Meiningen den Burgberg vorübergehend, es kam aber nicht zu einer Bebauung. Erst sein Sohn Berhard II. Erich Freund von Sachsen-Meiningen, ließ dann ab 1836 hier das jetzige Schloss Landsberg (von Landwehrberg abgeleitet) im neugotischen Stil nach dem Vorbild englischer Adelssitze (Windsor-Castle, Hampton-Court) errichten.
Die Architekten des Schlosses waren der Meininger Hofbaurat August Wilhelm Doebner (1805-1871) und Carl Alexander von Heideloff (1789-1865). Anregungen zum Bau eines solchen Schlosses in Meiningen kamen unter anderem auch dadurch zustande, dass Herzog Berhard II. häufiger zu Besuch seiner älteren Schwester Adelheid (1792-1842, ab 1830 Queen Adelaide neben King William IV., regierten bis 1837) in England weilte.
Bernhard II. bewohnte das Schloß eher selten, sein Nachfolger Georg II. (1826-1914, Regent ab 1866) mied es als Wohnung ganz und ließ, wie schon von seinem Vater begonnen, Teile der herzoglichen Kunstsammlungen hier unterbringen. Bis zum 1. Weltkrieg konnte das Schloss mit seinem ursprünglichen Mobiliar und den hinzugekommenen Ausstellungsstücken dann auch öffentlich besichtigt werden (ab 1907 mit geregelten Öffnungszeiten) und war seinerzeit das meistbesuchte Schloss in Sachsen-Meiningen.
1920 verkaufte die herzogliche Familie das Schloss mit nahezu allem Inventar an einen New-Yorker Kaufmann, der es als Wohnsitz beanspruchte. Später gehörte das Schloss einer Berliner Familie. Nach dem 2. Weltkrieg wurde es verstaatlicht und wechselweise als Altenheim, medizinisches Bildungszentrum des damaligen Bezirkes Suhl und Gaststätte des HO-Kreisbetriebes Meiningen genutzt. Ein Großteil des Inventars wurde zerstört oder entfernt. In den Jahren 1975 – 1978/79 baute der HO-Kreisbetrieb den Landsberg als Luxus-Hotel um. 1991 bis 1996 befand sich das Haus im Besitz der S.-M. (Sachsen-Meining´schen) Hotel Schloss Landsberg GmbH & Co. KG und wurde von Friedrich-Ernst (Ur-Urenkel von Georg II.), Prinz von Sachsen-Meiningen betrieben. Seit März 1997 steht das Schloss, welches Anfang 2003 noch einmal komplett saniert und neu möbliert wurde, unter der Leitung der "Meininger Hotels mit Flair GmbH", deren geschäftsführender Gesellschafter Uwe Klein ist und zu der außerdem das Hotel Schlundhaus & Gästehaus Rautenkranz, das Palais am Prinzenberg, das Alte Knasthaus Fronveste sowie seit Dezember 2009 der Ernestiner-Hof in Meiningen gehören. Außer dem Palais am Prinzenberg befinden sich heute alle diese genannten, denkmalgeschützten Objekte im Eigentum der gemeinnützigen "Stiftung Meininger Baudenkmäler", die Ende 2007 durch Uwe Klein ins Leben gerufen wurde.
Kunstwerke und Steinbildhauerische Arbeiten
Büsten von Doebner (Ostgiebel Kastellanhaus) und Thomas (Westgiebel Kastellanhaus)
Bildhauer: Ferdinand Müller, Meiningen, 1809 – 1881
Nürnberger Erker (Löwenerker) mit vollplastischer Löwenkopfkonsole (Nord-West-Turm – Aussichtsturm), Entwurf: Carl-Alexander von Heideloff, 1789 – 1865, Ausführung: Ernst Thieme, Nürnberg, München
Weiterhin befinden sich an der Außenfassade des Schlosses zwei Sachsen-Meiningische Staatswappen (17. Jh., später hier eingebaut),
sowie fünf Wappenschilde zur Erinnerung an frühere Burgherren und – mannen (Würzburg, Römhild, Henneberg, von Buchenau, von Todenwarth). Das Wappen der Familie von Buchenau wurde bei Umbauarbeiten in den 70er Jahren entfernt und 1993 in unserem Restaurant Burgschenke angebracht.
Rittersaal – bedeutendster neugotischer Saal in Thüringen
Gesamtausstattung in Eichenholz, Schnitz- und Dekupiersägearbeiten an Wand und Decke (1840 – 1844), Entwurf: Heideloff, Sir Jeffry Wyatville,England 1766 – 1840, Ausführung: Ernst Thieme, 1993 – Parkett, Firma Braun, Schwebheim/Franken
Die Ölgemälde auf den Wänden stellen Szenen aus der wettinisch-sächsisch-thüringischen Geschichte dar. Auführung: Wilhelm Lindenschmidt d. Ä., Kunstlehrer des Erbprinzen Georg, späteren Herzog Georg 2. Von Sachsen-Meiningen, bedeutendster Theaterreformator des 19. Jahrhunderts.
Ernestinische Wappenschilde an der Decke des Rittersaals – Eiche geschnitzt und bemalt (Meißen, Herzogtum Sachsen, Pf. Sachsen, Eisenberg, Ravenstein, Römhild, Thüringen, Berg, Landsberg, Henneberg, Pf. Thüringen, Altenburg, Mark, Pleissen)
Der Ofen an der Westseite des Saales wurde um 1840 von einer Eisenhütte in Steinach nach einer Vorlage von Ferdinand Müller gegossen. Die Reliefplatte zeigt den Heiligen Georg zu Pferde.
In den Fenstern der mittleren Terrassentür sind zwei Kabinettscheiben erhalten.
Links: St. Sebaldus mit Kirchenmodell, in architektonischer Halbrundnische stehend, Maßwerk-Dekorrahmung mit zwei Porträtmedaillons (Kopie nach A. Dürer)
Rechts: St. Joachim und St. Anna unter der goldenen Pforte des Tempels zu Jerusalem, Menschengruppe vor Landschaft und Gebäuden in halbrunder Rahmung (Kopie nach A. Dürer, 1509), Ausführung: Johann-Jakob Keller, Nürnberg, 1788 – 1873
Anstelle der Nische an der Südseite des Saales befand sich ursprünglich ein Kristallbuffet. Die in dieser Nische ausgestellten Waffen sind Imitationen aus den 70er Jahren. Sie wurden in einer Berliner Werkstatt angefertigt.
Im kleinen Turmzimmer (Nord-Ecke Rittersaal) befindet sich ein Relief-Fries auf Gips mit einer Darstellung des Turniers des Markgrafen Heinrich des Erlauchten zu Nordhausen 1264, Ausführung: Ferdinand Müller
Wandbemalungen
Insbesondere die Räumlichkeiten im 2. Obergeschoss, in denen sich die (selten genutzten) Wohnräume des Herzogs und der Herzogin befanden, sind mit gotischen Stuckdecken und Wandbemalungen verziert. Hier wirkten die Maler Georg Eberlein, Nürnberg, 1819 – 1884, Zeuner (nähere Lebensumstände nicht bekannt) und Paul Schel(l)horn, Meiningen, 1792 – 1880.